Der Name
Zwiebelfisch, der [‘tswi:belfiß] (->Zwiebel und ->Fisch)
ist zunächst ein Begriff aus der ->Gastronomie und bezeichnet einen Fisch, der hauptsächlich mit Zwiebeln zubereitet ist. Daran anknüpfend hat der Z. als t.t. Eingang gefunden in die ->Buchdruckersprache, in der auch ->Hurenkinder, ->Mönche und ->Schusterjungen beheimatet sind. In der ->Buchdruckerkunst bezeichnet der Z. einen Buchstaben, der in einer falschen Schrift abgelegt wurde - z.B. f bei f - als Steigerung zum Fisch, der einen Buchstaben bezeichnet, der unter einem anderen Buchstaben abgelegt wurde - z.B. u bei n. Das Euro-Zeichen z.B. ist oft ein Z. und zwar dann, wenn es nicht aus der im Fließtext benutzten Schrift genommen, sondern als Normzeichen und somit als Fremdkörper eingesetzt ist. Eine Verbindung des Gastronomie- und des Buchdruckerbegriffes hat die Berliner Szene-Literatenkneipe »Z.« vollzogen. Auch ein Café in Bergisch Gladbach nennt sich so und ein Antiquariat in Weimar. Weiterhin kann Z., an den Buchdrucker-Z. anknüpfend, als Bezeichnung für Unangepaßtes verwendet werden, z.B. wenn Ascan Kleé Gobert seine Berichte, Erzählungen und Feuilletons eines Hamburger Kultursenators »Z.« betitelt, oder ein Jugendbuch um einen Buchdruckerlehrling, der Zivilcourage beweisen lernt, den Titel hat »Mach Druck, Z.«, oder ein Berliner Verlag »Z.-Verlag« heißt. 1909 gründeten Franz Blei und Hans vonWeber die Zeitschrift »Z.«, die unregelmäßig 1910-1924, dann wieder 1946-1948 im Hyperion-Verlag erschien. Über die Entstehung dieser Zeitschrift, die erst als satirische Typo-Zeitschrift gedacht war, schließlich aber »das gesamte Gebiet des heutigen Lebens« zum Thema hatte, berichten Hans von Weber und Emil Preetorius in: »Das kleine Zwiebelfisch-Kratzbürsten-Vademecum«, München 1931, S. 57-60.
»ZWIEBELFISCH – Magazin für Gestaltung«, herausgegeben von der Freien Hochschule für Grafik-Design & Bildende Kunst e.V., erscheint bundesweit seit August 2002.
Dr. Marie-Luise Weber, Lexikographin beim Mittellateinischen Wörterbuch der Bayerischen Akademie der Wissenschaften (München) für das Magazin ZWIEBELFISCH
ZWIEBELFISCH
Der Begriff ZWIEBELFISCH steht für:
- einen Fisch, der hauptsächlich mit Zwiebeln zubereitet wird
- einen Vertreter der Gattung der Karpfenfische (Ukelei)
- einen Buchstaben, der in der falschen Schrift abgelegt wurde (Buchdruckersprache)
- eine von 1909 bis 1934 und von 1946 bis 1948 erschienene (Satire-)Zeitschrift aus München
- eine Künstlerkneipe am Savignyplatz in Berlin
- das Magazin für Gestaltung aus Freiburg (seit 2002)
- die Spiegel-Online-Kolumne von Bastian Sick (seit 2003)
© ZWIEBELFISCH – Magazin für Gestaltung | www.zwiebelfisch-magazin.de